Phagen als Alternative zu Antibiotika

Landwirte und die Pharmaindustrie stehen vor derselben Herausforderung: Gesundheit ohne Antibiotika. Im Zuge der immer größer werdenden Antibiotikaresistenz in beiden Gebieten werden nun Alternativen gesucht. Denn bei vielen Patienten helfen Antibiotika heute schon nicht mehr.

Am Beispiel von Schweinezüchter Heiner Korte wird klar, dass es auch anders geht. Vor einiger Zeit erkrankte er an Polyarthritis, die Ärzte bescheinigtem ihm keine Chance auf Heilung. Er versuchte es mit alternativen Methoden und homöopathischen Mitteln und wurde gesund. Nun verwendet er auch bei seinen Schweinen keine Antibiotika mehr. Stattdessen setzt Korte auf Vorbeugung mit Aromatherapien. Diese bestehen aus Ölduschen aus Kräutern und Heilpflanzen. Der Effekt: Die Schweine riechen alle gleich und die Kämpfe untereinander werden weniger. Außerdem macht diese Therapie die Atemwege frei. Zudem haben die Tiere bei Schweinezüchter Korte einen Schlaf- und Auslaufbereich. Dieser ist hygienisch und wirkt zugleich abhärtend. Im Gegensatz zu anderen Schweinezüchtern verwendet Korte kein Kraftfutter, sondern eine Mischung aus 49 natürlichen Kräutern. Kortes Fazit fällt positiv aus, denn seine Schweine leben länger und sind resistent und all das ohne Antibiotika.

Nun stellt sich die Frage, welche Alternativen zu Antibiotika es in der Humanmedizin gibt?

Forscher und Ärzte sind überzeugt, dass Bakteriophagen langfristig eine Lösung darstellen. Phagen sind Viren, die Bakterien angreifen. Chirurg und Chefarzt Prof. Dr. Burkhard Wippermann hält diese Art von Therapie für sinnvoll. Aktuell behandelt er Reiner Fischer, einen Patienten, der nach einer Entzündung seiner Operationswunde am Fersenbein seit 36 Jahren trotz zahlreicher Operationen eine offene Wunde hat. Phagen sind zwar als Medikament nicht zugelassen, in ausweglosen Situationen dürfen Ärzte aber auch zu nicht zugelassenen Medikamenten greifen. Die Besonderheit der Phagen besteht darin, dass sie ein Bakterium gezielt angreifen und nicht auf viele verschiedene Bakterien abzielen, wie es Antibiotika tun. Sie setzen sich im ausgewählten Bakterium fest und verändern die DNA, sodass aus einem krankmachenden Bakterium neue Phagen entstehen, die weitere Bakterien infizieren. So werden nach und nach alle Bakterien zerstört. In den 20er und 40er Jahren wurden Phagen bereits häufig eingesetzt, doch die klinischen Standards fehlen noch heute.

Warum nutzt die Pharmaindustrie dieses Wissen nicht? Gerd Gleaske von der Universität Bremen sieht das Problem im Profitdenken der Pharmaindustrie. Mit Phagen ließe sich kein Geld verdienen, daher würde auch nicht weiter geforscht.

Solange keine öffentlichen Gelder zur Erforschung von Alternativen bereit gestellt werden, müssen Patienten weiter hoffen, dass Antibiotika ihre Wirksamkeit im Ernstfall beweisen können oder neue Methoden auf den Markt kommen.

 

Quelle:

http://www.wdr.de/tv/markt/sendungsbeitraege/2012/1015/02_antibiotika.jsp#pbild1

 

 

Die Autorin
Eva Mackowski
BLUE SAFETY Siemensstraße 57 48153 Münster Fon: 0800 - 25 83 72 33 presse@bluesafety.com www.bluesafety.com